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Die Gegenargumente haben zahlreiche Perioden überbrückt: „Die Quote sei nicht essentiell“ oder „Es stünden nicht genügend potentielle Frauen[1] für diese Position zur Verfügung“. Aber der Mehrwert, den die Gleichstellung der Geschlechter mit sich bringt, wird flächendeckend unterschätzt. Frauen haben in der Arbeitswelt, besonders in Spitzenpositionen, so wie es manche Politikerinnen innehaben, oftmals mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Oder sie kommen niemals in die Gelegenheit, mit ihren Ergebnissen brillieren zu können. Nicht nur mit Gegenwind von männlichen Mitstreitern haben sie es zu tun, nein, auch Frauen untereinander zeigen nicht immer den unbedingt notwendigen Support. Aus diesem Grund ist es wichtig das Thema immer wieder erneut aufzugreifen, um ein dafür zu Bewusstsein zu schaffen.

Warum sind die Dinge so, wie sie sind, wenn sie doch auch anders sein könnten? Das fragen wir in voller Lautstärke, weil wir nichts zu verlieren haben außer unserer Zukunft.

Lisa Neubauer

Die Bandbreite an Streitpunkten ist groß, eine Antwort oder mögliche Einigung und somit Lösung für die generelle ungleiche Stellung im gesellschaftlichen System der Geschlechter, wird nur in den wenigsten Fällen gefunden. Kompromissbereitschaft und ein Umdenken der Bevölkerung würde dringendst von der heranwachsenden Generation empfohlen. Der Appell gilt nicht nur den neuen nachkommenden Generationen in der Arbeitswelt, sondern gleichermaßen den älteren, sofern ihr Betrieb zukunftsfähig bleiben sollte. Was skandinavische Länder anderen bereits voraus sind, jedoch auch dort nicht perfekt funktioniert, ist: eine größere Väterbeteiligung und ein kleinerer Gender-Pay-Gap als beispielsweise in Österreich.

Zudem besteht ein willkürlicher Zusammenhang zwischen Frauenhass und rechts orientiertem Populismus. Die Tatsache, dass sich Rechtspopulismus an traditionellen Gesellschaftskonstellationen orientiert und somit auch auf alten Formen der Gemeinschaft aufbaut, liegt auf der Hand und illustriert nur eines der unzähligen Beispiele, welche dem klassischen Rollenbild zugrunde liegen.

Grundsätzlich findet die Publikation von feministischem Gedankengut in Sozialen Netzwerken statt. Noch viel wichtiger wäre es jedoch, wenn nicht nur Hass an Frauen, sondern auch Rassismus und LGBT-Feindlichkeit verstärkt von der Regierung aufgegriffen werden würde. Gleichstellungspolitik sollte in erster Linie in den Parlamenten geschehen. Im näheren Sinne wäre es für jene Personen wichtig, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, welche nicht in die Gruppe der Social-Media-Nutzer fallen. Jene, die „Women-Empowering“-Inhalte regelmäßig verfolgen. Somit würde es einen Großteil der gesamten Bevölkerung betreffen, welche sich die tatsächlichen banalen Ungleichheiten ins Gedächtnis rufen sollten.

Vieles läuft bereits gut, wie etwa die Möglichkeit, welche Stand 2016 jede fünfte Frau in Österreich ganz klar für sich nutzt: Die Möglichkeit, sich im tertiären Bereich weiterzubilden, um einen Hochschulabschluss zu erlangen. Vieles könnte aber noch verbessert werden, wie etwa eine ehrliche Wertschätzung von Männern gegenüber weiblichen gleichgestellten Personen sowie Frauen gegenüber Frauen in Spitzenpositionen. Last but not least: Das gewählte Berufsfeld, welches ebenso einen grundlegenden Einfluss auf das Einkommen hat. Forschungen der Agenda Austria kamen zum Ergebnis, dass die sogenannten Mint Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) ein höheres Durchschnittseinkommen aufweisen als andere Branchen, diese jedoch hauptsächlich von Männern ausgeübt werden. Sich diese Tatsache immer wieder vor Augen zu führen ist unabdingbar, um den Karriereweg von Frauen zukünftig positiv beeinflussen zu können und um „Machtkämpfe“ einzudämmen.

Gleichwohl gibt es zahlreiche gute Gründe für das „Warum?“  im Gesamten und zum Beispiel für die Wirtschaft im Speziellen.Eine Ausgewogenheit zwischen Männern und Frauen im Team bringt einer Firma erwiesenermaßen nachhaltig gesehen bessere Erfolge, anders als die vorherrschende Meinung von heimischen Betrieben lautet. [2] Es wird häufig als ein individuell zu behandelndes und gesellschaftlich geprägtes Thema angesehen, welches die aufwendige Planung von Teilzeitarbeitszeiten mit sich bringen würde.

90% der Unternehmen sind sich sogar dessen bewusst, dass es deutliche Schwierigkeiten für Arbeitnehmerinnen gebe, abgesehen von der unterschiedlichen Bezahlung. Folgende Aussagen und Einstellungen finden nicht nur in weniger entwickelten Staaten Anhänger. Argumentationen wie: „Sie sind selber daran schuld“ oder „Frauen verhandeln eben schlechter“, sowie „Die ist jung, die könnte bald schwanger werden“ bestätigen wiederrum, dass ein ausgeglichenes Verhältnis der Geschlechter in jeglichen Bereichen benötigt wird. Sie bestätigen, dass in diesem Gebiet noch viel Handlungsbedarfs notwendig ist, und dass vor allem auch Frauen bei etwaigen Missständen nicht sogar noch gegeneinander, sondern der komplexen diskriminierenden Thematik gemeinsam entgegenwirken sollten.

Wie dies umgesetzt werden kann? Eine Ausführung beginnt und endet im Mindset und somit in der Handhabung der weiblichen Gesellschaftsmitglieder selbst und vor allem wie damit umgegangen wird. Diskriminierung beginnt bereits im kleinen Rahmen und oftmals ist von Frauen kein Kontra gegen Vorgesetze zu spüren. Zum Beispiel bei Positions- oder Gehaltsverhandlungen mit dem Chef, sind Frauen durchwegs viel eher gewillt die Harmonie zu bewahren und geben früher klein bei als männliche Kontrahenten. Belege? Nicht nur Erfahrungen am eigenen Leib.

Wenn sich eine Arbeitnehmerin jedoch ernsthaft des Wertes und der Qualität ihrer Arbeit bewusst ist und was sie dafür einfordern kann, wird sie sich zukünftig nicht mehr mit weniger zufrieden geben als ihr zusteht.

Es werden letzten Endes wohl noch einige Jahre vergehen, bis die zweijährig (seit 2018) bestehende 30-Prozent-Quote unter der Neubestellung von Aufsichtsräten die vollkommene Wirkung und Strahlkraft der Frauen entfaltet. Bis dorthin müssen sich weibliche Gesellschaftsmitglieder, und in erster Linie der allgemeine Begriff der „Diversität[3]“, wie so oft hintenanstellen.

Genau dort, wo Männer eine deutliche Mehrheit repräsentieren, ist es laut feministischem Konsens von beachtenswerter Bedeutung, ebenfalls die weibliche Solidarität an dieser Stelle ganz groß zu schreiben, um zukünftige Entwicklungen positiv zu beeinflussen. – Denn „Wir“ haben nichts zu verlieren, außer unsere Zukunft! [4]


[1] Definition Frau

[2] Quelle: Beraterhaus Deloitte, Umfrage Bundesländer übergreifend, 01.03.2020

[3] Diversität

  • bedeutet Vielfalt und Vielfältigkeit (Duden, 2020)
  • Synonym zu Diversität/ Diversity werden häufig auch die Begriffe Heterogenität, Unterschiedlichkeit, Verschiedenheit, Mannigfaltigkeit und Differenz verwendet.

[4]  Quellen zum Nachverfolgen der angegebenen Daten: WKO, Statistik Austria, Die Presse, Eurostat

Lea Maria Wurzinger
Die derzeitige PPÖ Studentin übernimmt im Rahmen des Projektes mit frischen Ideen an den inhaltlichen Schwerpunkten. In erster Linie ist sie jedoch für die Recherche & Verfassung von neuen Textproduktionen im Team zuständig.

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