0

🕑 Lesezeit: 11 Minuten

Slider

 

Veronika, Du bist 24 Jahre jung und Präsidentin des Vereins ‘Fridays For Future Wien’. Möchtest Du dich kurz selbst vorstellen und erzählen, wie Du dazu gekommen bist?

Dieser Verein ist nicht die Bewegung Fridays For Future, sondern unterstützend für das Spendenkonto und die Bürokratie im Hintergrund. Grundsätzlich ist die Bewegung ja viel größer als wir paar Leute, wir sind in Österreich ziemlich viele.

Beim ersten Klimastreik war ich eher zufällig dabei. Ich dachte mir, ich gehe dort einmal hin, denn Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit waren mir immer wichtig. In diesem Sommer 2018 habe ich erstmals mitbekommen, dass die Klimakrise ein größeres Problem ist. Schlimmer als man immer dachte. Dann war diese Schulstreiksache von Greta, davon hörte man ein bisschen, und im Dezember gab es das auf einmal auch in Wien. Aber eine Freundin und ich, wir haben dann gesagt: „Leute, das geht nicht. Wir können nicht gemütlich frühstücken gehen, während draußen eine Demo für Klimaschutz ist.“ Wir sind dann zu dieser Demo gegangen und es hat sich einfach richtig angefühlt, dort zu sein und dafür zu demonstrieren. Irgendwie war dort so ein Schwenk. Junge Menschen haben angefangen zu realisieren, dass deren Selbstverantwortung nicht reicht. Man braucht dafür auch die PolitikerInnen. Es braucht politische Aktion. Diese erste Demonstration wurde von drei anderen Studierenden in Österreich ins Leben gerufen. Wir sind dort immer wieder hingegangen und haben die auch näher kennengelernt. Die Bewegung ist gewachsen, es kamen immer mehr Leute und irgendwann im März war ich selbst so richtig darin involviert.

Bei diesem ersten Großstreik waren wir ein paar Studenten, SchülerInnen und irgendwelche Leute einfach, die aber das erste Mal eine Großdemonstration zu organisieren hatten. Wir wussten nicht, wie das geht. Das Wissen haben wir uns im Stress angeeignet. Auf einmal waren wir dann professionelle Demo-OrganisatorInnen. Wenn ich jetzt auf diese Zeit zurückblicke, ist das ein einziger Strudel für mich. Und auf einmal waren wir die Bewegung Fridays For Future. Es war wie ein Sprung ins kalte Wasser. Keiner wusste, wie das weitergeht. Wir wussten nur, es ist verdammt wichtig. Im letzten Jahr ist das dann gewachsen. Wir waren beim Bundespräsidenten, wir waren bei Sebastian Kurz und bei vielen MinisterInnen. Seit einem Jahr bin ich nun Vollzeitaktivistin.

Für was genau bist du in der Organisation zuständig? Laut eigenen Angaben machst du unter anderem Kommunikation auf Social Media und mit der Presse.

Genau. Ich bin zwar Vereinspräsidentin, aber der Verein besteht nur aus drei Menschen. Die Bewegung Fridays For Future ist allgemein basisdemokratisch organisiert. Wir haben verschiedene Arbeitskreise, in Wien zum Beispiel und auf Bundesebene. Für die Presse etwa bin ich die Koordinatorin. Das heißt aber nicht, dass ich die Pressesprecherin bin. Wir haben viele Leute, die für uns Interviews geben. Es gibt immer zwei KoordinatorInnen pro Kreis und eine davon bin ich. Wir haben einfach einen Verein gebraucht; ein Rechtsorgan für bestimmte Dinge wie für ein Konto und für Spenden. Der Verein ist aber ohne Repräsentationsfunktion.

Es ist sehr wichtig, dass wir keinen Kopf der Bewegung haben. Wir wollen zeigen, dass wir vielfältig sind. Wir sind SchülerInnen mit 14 bis hin zu Studierenden. Bei uns sind Parents For Future dabei, Teachers For Future und andere. Nach außen hin wollen wir vielfältig repräsentiert sein und wir wollen vermeiden, dass wir wie in Deutschland mit Luisa Neubauer oder wie Greta Thunberg einen Kopf der Bewegung haben. Das haben wir bei uns nicht. Wir wechseln uns auch bei Presseterminen ab. Wir machen das alle freiwillig und in unserer Freizeit. Bekommen keinen Cent dafür. Darum ist es so wichtig, dass jeder seine Stimme gleichermaßen einsetzen kann, etwa bei der Gestaltung eines Artikels, bei Auftritten oder bei Gesprächen mit Politikern.

Momentan darf nur mit Mund-Nasen-Schutz und Sicherheitsabstand gestreikt werden. Die Streikzahlen sind rückläufig. Wie verschafft man sich dennoch Gehör?

Corona ist bedrohlich und herausfordernd für die ganze Gesellschaft, gleichzeitig aber wollen wir unser Anliegen voranbringen. Wir wissen, dass die Klimakrise auf kurz oder lang ein riesen Ausmaß annehmen wird. Das kann man sich gar nicht vorstellen.

Wegen Corona haben wir natürlich überlegt, wie wir uns trotzdem in den Diskurs einbringen können. Anfangs haben wir voll akzeptiert, dass wir gerade nicht streiken können, haben alle Streiks abgesagt. Trotzdem wollten wir aber zeigen, dass wir immer die Menschen schützen wollen. Deshalb haben wir Nachbarschafts-Challenges veranstaltet, sind für die Nachbarn einkaufen gegangen. Haben auf Kinder aufgepasst und uns einfach eingebracht. Auch haben wir sehr viel Arbeit auf Social Media gemacht. Wir wollten im Internet präsent sein, etwa mit den Netzstreiks fürs Klima. Anfangs haben dort viele mitgemacht. Am 24. April wäre eigentlich der nächste weltweite Klimastreik gewesen. Wir haben es dann ziemlich kurzfristig einen Livestream auf die Beine gestellt, unterstützt dass alle in Österreich Schilder raushängen, Fotos davon machen und ins Internet posten. Das verschafft doch eine gewisse Öffentlichkeit, viele Leute haben mitgemacht, einige Tausende. Auf 6.000 haben wir im Livestream Zugriff gehabt. Aber es ist natürlich komplett anderer Aktivismus. Aktivismus im Netz kann nie ersetzen, dass du die Straßen flutest.

Seit sich Corona etwas beruhigt hat, haben wir nun das Protestcamp am Ballhausplatz. Dort haben wir bereits eine Woche lang 168 Stunden im Schichtbetrieb gestreikt. Mit Mindestabstand und Mund-Nasen-Schutz. Es war echt gut, dass die Bewegung wieder einmal zusammenkommt. Physisch und nicht nur über Zoom. Auch wenn es nur ein erster Versuch war, es war für uns eine Art Comeback. Wir stehen wieder auf der Straße. Direkt dort, wo die Entscheidungen getroffen werden. Wir haben Werner Kogler vorbeigehen gesehen. Haben gesehen, wie die Fenster zugemacht wurden. Ich glaube, dass wir in der nächsten Zeit wieder mehr auf der Straße machen werden. Natürlich hängt das aber von den weiteren Sicherheitsmaßnahmen und deren Entwicklung ab.

Du hast vorhin den Streik am Ballhausplatz erwähnt. Man hat das Gefühl, dass die Politiker einen eher ignorieren. Glaubst Du, dass wir zwei Krisen auf einmal bewältigen können, oder hat der Klimaschutz das Nachsehen im Kampf gegen die Corona-Pandemie?

Corona war kurzfristig und ist für alle plötzlich aus dem Nichts gekommen. Aber das stimmt überhaupt nicht. Davor wurde genauso jahrzehntelang gewarnt. Die Wissenschaft hat genauso gesagt, wir sind darauf nicht vorbereitet. Man kann dort echt einige Parallelen ziehen. Natürlich müssen wir beide Krisen bewältigen, auch die Rassismuskrise. Wir müssen uns so vielen Dingen annehmen. Krisenmanagement muss auf verschiedenen Ebenen betrieben werden. Es gibt kein Argument dafür zu sagen, dass es jetzt erstmal die eine Krise gibt und dann erst die nächste. Das wäre komplett irreführend. Hier ist die Politik gefragt. Klima und Ökologisches zu lösen während einer Pandemie, macht das Ganze natürlich nicht leichter. Es ist wirklich herausfordernd, aber es gibt Lösungen, mit denen man beide Krisen bewältigen kann. Türkis-Grün und alle anderen politischen Institutionen sind hier gefragt, auszuarbeiten, wie wir das lösen können.

Denkst Du, dass Fridays For Future nach der Krise wieder ernster genommen wird?

Ich glaube, durch diesen gesellschaftlichen Schock ist um einiges mehr Bewusstsein da. Man sieht, unsere Systeme sind überhaupt nicht resistent. Sie sind wie ein Kartenhaus. Wenn du ein wenig mehr daran wackelst, fällt alles in sich zusammen. Es hat mich total schockiert, dass, wenn du einen Monat lang nicht wirtschaften kannst, innerhalb der ersten Woche gleich hunderttausend Leute gefeuert werden. Unser Wirtschafts- und Arbeitssystem ist überhaupt nicht nachhaltig. Ich glaube aber, dass die Gesellschaft schon gemerkt hat, dass man sich in Zukunft viel nachhaltiger und resistenter auf Gefahren vorbereiten muss. Es bleibt im Gedächtnis hängen, was so ein Virus mit unserer Lebensrealität anstellt. Ich hoffe schon darauf, dass viele Leute begreifen, dass nicht alles selbstverständlich ist. Etwa die Freiheit rauszugehen, mein Leben zu leben, meinen Job zu verfolgen und die Natur zu genießen. Das muss durch vorausschauende Maßnahmen geschützt werden. Wir lernen, dass wir auf die Wissenschaft hören müssen. In dieser Phase haben die VirologInnen einfach sehr viel Reputation dazubekommen. Es war klar, jetzt muss jeder mitmachen und sich an die Wissenschaft halten, damit es uns allen als Gesellschaft bessergeht.

2008 bei der Finanzkrise haben auch viele gedacht, dass Finanzsystem wird jetzt verbessert. Aber genau das Gegenteil ist passiert. Wir haben bemerkt, wir können uns nicht in der Zivilgesellschaft ausruhen. Man muss sich einfach aktiv beteiligen, damit es in die richtige Richtung geht.

Ab welchem Alter macht es denn Sinn, Kinder im Unterricht mit dem Klimathema zu konfrontieren?

Ich finde das sehr spannend, diese Frage stelle ich mir auch. Ich habe jetzt mit Kindern, die sieben, acht oder neun Jahre alt sind, Ferienbetreuung zu diesem Thema gemacht. Kinder verstehen so viel mehr als Erwachsene, das ist ein Wahnsinn. Letztens habe ich eine Fünfjährige gehabt, die zu ihrer vierjährigen Schwester gesagt hat: „Du bist so dumm, du isst Tiere.“ Da ist so viel Verständnis und Bindung zur Natur vorhanden. Deshalb finde ich, Kinder muss man da mitnehmen und ihnen von Anfang an erklären, was falsch läuft, damit sie das verstehen können. Natürlich musst du aufpassen, dass du Kinder nicht überforderst. Aber das musst du auch bei Erwachsenen machen.

Bei Klimakommunikation ist es verdammt wichtig, dass du zusätzlich auch sagst: „Hey, es steht gerade wirklich schlecht um den Planeten. Wir müssen alle etwas dafür tun.“ Du musst immer diese Handlungskomponente dazu erzählen. Dann wirst du verzweifelt, wenn du nicht erfährst, was man machen kann. Dann steckst du den Kopf in den Sand.

Wenn du Kindern von Anfang an erzählst, wie wichtig es ist, dass wir etwas machen, dann kann dort so eine Kraft entstehen. Die wollen sich dann auch voll einsetzen. Deshalb ist es wichtig, dass du von Anfang an mit Kindern offen mit diesem Thema umgehst. Denn was ist die Alternative? Dass du Kindern bis zehn oder 14 oder 18 nichts davon erzählst und dann machen sie den großen Schockmoment durch? Dann sind sie ja erst recht überfordert. Das ist auch bei mir so ein großes Thema gewesen. Jahrelang habe ich keine Information darüber bekommen. Wenn du im Nachhinein das alles selbst mitbekommst und dann merkst, dass es dir keiner gesagt hat, dass du es nie in der Schule erfahren hast, diesen Schock möchte ich keinem Kind antun. Echt nicht. Das sind Erfahrungen, die ich in der Bewegung immer wieder bemerke. Hier sitzen 14-Jährige, die sich jetzt fragen, wieso ihnen das niemand gesagt hat. Es ist verdammt schwierig, hier die Balance zu finden. Aber es ist so viel wichtiger zu versuchen, sie zu finden, anstatt das Thema auf einen späteren Moment zu verschieben. Man tut Kindern nichts Gutes damit, wenn man das verschweigt.

Du meintest, dass Du jahrelang keine Info bekommen hast. Man erfährt in der Schule wenig über die Tragweite der Klimakrise. In einem Artikel für die Universität Wien kritisierst Du deshalb auch den Inhalt von Schulbüchern. Wie sollen diese deiner Meinung nach angepasst werden, um die Realität besser widerzuspiegeln?

Ich glaube, in der Schule war das Problem für mich, dass wir die Dinge auswendig gelernt haben, beim Test hingeschrieben und das war es dann. Man könnte hier viel mehr mit der Realität draußen vor der Schule, also projektorientiert, arbeiten. Um die Handlungskompetenz zu verstärken, und um den Leuten zu vermitteln: „Was man in der Schule lernt, braucht man draußen wirklich.“ Wenn zum Beispiel regionale Wirtschaftskreisläufe das Thema sind, dann kann sich die Schule an einem Projekt in dem Ort beteiligen. So kann wirklich etwas erreicht werden, das nicht nur Reproduktion ist.

Ich glaube, Schulbücher sind veraltet. Dort stehen Dinge, die einfach nicht mehr aktuell sind. Jugendliche erfahren teilweise über Social Media viel mehr Bildung als durch Schulbücher. Darin stehen viele Dinge, die interessieren niemanden und die braucht keiner mehr. Ein eigenes Kapitel zur österreichischen Landwirtschaft in dem Ort wäre so viel spannender. Ich glaube, man bräuchte viel mehr Projektarbeit in der Schule. Viel mehr draußen mit den Institutionen und politischen AkteurInnen. Man muss den Schülern und Schülerinnen viel öfter die Möglichkeit geben, dass sie Themen auswählen, die sie selbst interessieren und bei denen sie selbst etwas machen. Ich weiß nicht, ob man den Schulbuch-zentrierten Unterricht überhaupt braucht.

Gehen wir zur nächsten Frage. Als junge Frau hat man es in der Politik oft nicht so einfach. Fühlst Du dich persönlich von den politischen Entscheidungsträgern ernstgenommen?

Ob ich mich ausreichend gehört fühle? Natürlich nicht. Ich würde das aber nicht unbedingt auf mein Geschlecht reduzieren, aber es ist ein Problem. Wenn man sieht, wer gerade die Entscheidungen im Krisenstab trifft, natürlich sind das Männer. In der Politik gibt es einfach immer noch keine Gendergerechtigkeit. Ich glaube, dass sich viel mehr junge Frauen einmischen sollten und sich nicht einschüchtern lassen sollen. Wir haben diese Bilder von Politik und das sind einfach Männer.

Ich weiß noch ganz genau, wie ich zum ersten Mal diese finnische Regierung gesehen habe. Dieses Bild von der neuen finnischen Premierministerin und ihren Ministerinnen hat mich völlig geflasht: „Wow, Frauen machen Politik, junge Frauen machen Politik.“ Im Jahr 2020 kann es nicht mehr sein, dass das die Ausnahme ist. Das muss der Regelfall werden. Ich finde es schon stark, wenn sich hier mehr tut. Aber man sieht das auch, etwa in Neuseeland.

Andererseits muss man sich aber bewusst sein, dass sich die Frauenministerin in Österreich nicht als Feministin bezeichnet. Hier haben wir Missstände aufzuarbeiten, die echt komplett tief in unserer Gesellschaft verwurzelt sind. Darüber sollten wir viel öfter sprechen.

Man hört oft, dass viele Schüler und Schülerinnen nur streiken, um Schule zu schwänzen. Wie geht ihr mit solchen Anschuldigungen um?

Wir haben das oft gehört, aber im letzten Jahr war das eigentlich medial nicht mehr interessant. Das ist nicht mehr gekommen. Am Anfang war schon eine Debatte darüber. Aber natürlich war das auch das erste Mal und die Medien haben sich eben darüber ausgelassen. Dürfen SchülerInnen das jetzt, oder nicht? Es gibt ja die Schulpflicht. Andererseits gibt es aber auch die Gegendebatte, denn man hat die Pflicht sich gesellschaftlich einzubringen und es gibt die Versammlungsfreiheit.

Die damalige Bildungsministerin hat sogar den großen Earth-Strike vor der Nationalratswahl im September als Schulveranstaltung deklariert. Ich glaube, in Österreich haben wir diesen Diskurs im Vergleich zu anderen Ländern weniger gehabt. Das war nur am Anfang.

Zur Frage möchte ich schon noch sagen, dass es auch viele SchülerInnen gibt, die zu uns kommen, und denen diese Sache kein Anliegen ist. Natürlich gehen die dann mit. Aber wenn die dort sind und das mitbekommen; wenn sie merken, wie eine Großdemonstration ist, ist das so viel mehr Wert, als von vorne herein nicht hinzugehen. Das erinnert mich ein bisschen an die Anschuldigung, man dürfe nur zu Fridays For Future gehen, wenn man selbst das perfekte klimaneutrale Leben führt. Aber das ist eine komplett falsche Herangehensweise. Jeder kann dort hingehen und schauen, wie das ist. Jeder wird auf jeden Fall mit mehr Ahnung zurückkehren. Leute waren dort das erste Mal dort und haben das erste Mal gesehen wie es ist, wenn ich auf der Straße für ein Anliegen stehe. Das ist eine unglaublich wichtige Erfahrung. Ich bin mir sicher, dass sich viele aus dem heraus mehr dafür interessieren.

Was sind deine Ziele für die Zukunft?

Es ist echt eine gute Frage, was ich zukünftig machen werde. Ich habe im Rahmen meiner Masterarbeit eine Lehrveranstaltung für Bachelor-Studenten in Biologie konzipiert. Die haben wir auch schon zweimal durchgeführt. Nächstes Semester werden wir das wieder als Masterstudentinnen machen.

Wir haben ‚Den Klimawandel unterrichten und Professionsverantwortung in der Klimakrise‘ in einem Seminar gemacht. Mir ist es ein großes Anliegen, dass in der Lehramtsausbildung in diesem Bereich viel mehr gemacht wird. Lehrkräfte sind die Multiplikatoren schlechthin, und Schulen können Zentren für gesellschaftliche Transformation sein. Es ist mir enorm wichtig, da in Richtung Klimabildung zu gehen.

In fünf Jahren würde ich gerne ein bisschen beruhigter sein können, dass die Entscheidungsträger ihren Job machen. Ich würde mich auf keinen Fall zurücklehnen wollen, aber ich würde gerne ein bisschen beruhigter sein, dass die Dinge am richtigen Weg sind. Ich würde mir wünschen, dass am Ende der Legislaturperiode in Österreich zumindest bei uns Maßnahmen in die Wege geleitet worden sind.

Aber natürlich kann es auch weniger utopisch sein. Es kann sein, dass ich mich dann in einer anderen politischen Position engagiere. Jeder, der begriffen hat, worum es  wirklich geht, kann sich vom Thema nicht mehr entfernen; egal ob als AktivistIn, in einer Partei, in einer Bürgerinitiative oder in der Gesellschaft. Ich werde mich sicher in so einer Position engagieren.

Also denkst Du, dass Gruppendynamik besser ist, als dass man sich auf eine Person fixiert und dieser nacheifert, wie etwa Luisa Neubauer in Deutschland?

Ja. Wenn du zu einer Fridays For Future Demo gehst und dich engagieren möchtest, dann wirst du sofort in eine Whatsappgruppe geschmissen. Dir wird sofort erklärt, was es zu tun gibt, und ob du gleich morgen mithelfen willst.

Bei mir war es auch so, gerade am Anfang. Irgendjemand hat mitbekommen, dass wir Lehramt studieren und uns gleich gefragt, ob wir ausarbeiten können, wie es schulrechtlich mit dem Streiken ist. Ich habe mich daraufhin vor den Laptop gesetzt und geschaut, was das Schulrecht eigentlich ist, denn das sollte ich eh wissen. Diese Ausarbeitung findet man noch heute auf unserer Website. Das habe ich gemacht, weil mir jemand Verantwortung übertragen hat. Es ist so wichtig, dass man jemandem etwas zutraut und es die Leute auch machen lässt.

Ich glaube, das ist ein gutes Schlusswort: Wenn wir diese Krise irgendwie bewältigen wollen, dann müssen wir aufhören, eine Gesellschaft zu sein, die aus Individuen besteht. Stattdessen müssen wir uns gemeinsam in Gruppen organisieren.

Wir bedanken uns bei Veronika Winter für das Gespräch.

Veronika Winter: Unser Wirtschaftssystem ist überhaupt nicht nachhaltig

Vorheriger Artikel

Steigende Zustimmungswerte während Corona: Nur bedingt wegen Krisenmanagement

Nächster Artikel

Kommentare

Antworten

Dir könnte auch gefallen

Mehr aus Gesellschaft