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Redaktioneller Hinweis: Das Gespräch fand vor dem Ende der Koalition der ÖH-Bundesvertretung statt.

Adrijana, Du bist 24 Jahre jung und seit 2019 Vorsitzende der österreichischen Hochschülerschaft. Was hat dich in die Politik geführt? Vielleicht ein paar Worte dazu.

Ich war immer schon ein politischer Mensch. Ich bin von klein auf von meinen Eltern politisiert worden. Meine Familie kommt aus Serbien. In den 90er Jahren gab es das historische Bild vom Serbien-Krieg und von den Jugoslawien-Kriegen. Meine Eltern waren indirekt davon betroffen. Wir haben, auch wenn wir in Österreich gelebt haben, mitbekommen, was dort so passiert ist. Es war einfach immer ein ständiger Austausch. Man hat sich mit der Politik auseinandergesetzt. In Serbien etwas weniger als jetzt in Österreich. Das hat mich mit der Zeit politisiert und ich habe gemerkt, dass ich gerne irgendwas in diese Richtung machen möchte. Ich habe mich aber erst sehr spät politisch engagiert. 2017 bin ich erst zur GRAS[1] gekommen. Danach bin ich zur Hochschulvertretung der Uni Wien gekommen, habe dort im Referat als Sachbearbeiterin gearbeitet – gegen Antirassismus und als Auskunft für Studierende. Die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht. Mich hat es gefreut, wenn man vor allem Studierenden aus Drittstaaten geholfen hat. Mit diesen kleinen Schritten hat man einfach so gut gesehen, wie man anderen Menschen helfen kann. Dann habe ich mir gedacht, dass das mein Weg ist, den ich gerne gehen wollen würde und hab dann zwei Jahre auf der ÖH Uni Wien verbracht und mich dann quasi entschieden, als Spitzenkandidatin für die GRAS in die ÖH Wahlen zu gehen. Genau, und dann bin ich gewählt worden.

Du hast ja eben erwähnt, Du bist bei die GRAS tätig. Bist Du dann außerhalb der Studierendenpolitik ebenso noch anderweitig beteiligt?

Ich bin momentan gar nirgends aktiv beteiligt. Ich mache jetzt bei den Grünen nicht aktiv mit, sondern konzentriere mich momentan voll auf die Studierenden und auf diese Ebene. Nebenbei ist es eben auch als Vorsitzende sehr schwer noch etwas Anderes zu machen.

Was hat sich in der Zusammenarbeit zwischen der ÖH und der Universität verändert, jetzt in der Zeit von COVID-19?

Es ist eine viel größere Zusammenarbeit da. Außerdem braucht es einen viel größeren Zusammenhalt, weil es um die Interessen der Studierenden geht. Mit der Hochschulvertretung, in den einzelnen Körperschaften, wird ganz autonom gearbeitet. Das heißt, sie können tun und lassen was sie wollen. Wir müssen auch einheitlich zusammenarbeiten, damit es keine Unterschiede gibt und eben auch keine Nachteile für die Studierenden entstehen. Wir sind außerdem auch im ständigen Austausch mit der Universitätskonferenz, quasi wo auch die verschiedenen Universitäten vertreten sind, sowie auch mit dem Ministerium. Das sind also diese drei Ebenen versuchen wir, einheitliche Regelungen und Lösungen für die Studierenden zu finden. Das hat uns sehr zusammengeführt und zusammengeschweißt, weil eben auch immer ein sehr gefragter Austausch war. Gerade jetzt ist es aus dem Grund besonders wichtig, dass man zusammenarbeitet und keine einzelnen Hochschulen oder Universitäten eigene Regierungen bilden.

Auf Social Media äußerst Du dich hingegen oft etwas kritisch gegenüber der Regierung, worum geht es dir dabei genau?

Ich äußere mich kritisch, weil ich finde, dass wir quasi immer Kritik äußern müssen. Egal wer wir sind.  Ich zum Beispiel bin eine „Grüne“ oder eine Grün-Wählerin. Ich äußere trotzdem meine Kritik, weil es wichtig ist, dass man gehört wird und etwas sagt. Man muss nicht immer alles gutheißen, sondern sollte auch Kritik äußern. Viele werden jetzt sagen, es ist schwierig, wenn man grün-nahe orientiert ist. Wir sind trotzdem zwei verschiedene Organisationen. Wir sind keine Vorfeldorganisation für die Grünen. Da ist es dann natürlich wichtig, dass wir sagen, was getan werden muss. Wenn schon eine grüne Partei „drinnen“ ist, dann wollen wir auch schauen, dass diese Werte vertreten werden und wir so gut wie möglich rauskommen. Natürlich hat es auch seine positiven Seiten. Man steht für Ökologisierung und möchte sich mit der Klimakrise auseinandersetzen. Klimapolitik ist ganz wichtig. Natürlich aber auch im Bereich der Wissenschaft, dass auch da mehr hineinfließt. Für die GRAS ist es immer sehr wichtig gewesen, dass das Studium frei gestaltet wird. Die Grünen haben eine ähnliche Mentalität, auch im Wissenschaftsbereich.

Welche Bilanz ziehst Du für dich persönlich aus deiner Amtstätigkeit? Was hast Du persönlich dazugelernt?

Ich persönlich habe jetzt gesehen, dass ich früher viel spontaner und viel lockerer war. Jetzt brauche ich einen wirklich strukturierten Plan. Was habe ich gelernt? Dass ich mich vermehrt trauen sollte, einfach „ja“ oder auch „nein“ zu sagen oder auch einmal durchzugreifen und zu sagen, das passt jetzt nicht. Es gilt jetzt vermehrt anzuführen und wir müssen eine Richtung angeben. Natürlich ist es mir auch wichtig, dass wir auch mit anderen Leuten zusammenarbeiten. Die, die auch hier arbeiten, sollten ermutigt werden, ihre Meinung zu sagen, um gehört zu werden. Dabei ist es mir wichtig, dass alle Meinungen gehört werden. Sprich, dass wir dann auch sagen, wir stehen alle dahinter, aber es braucht eben auch eine gewisse Struktur. Erst als Vorsitzende habe ich gelernt, mehr Struktur in mein Leben reinzubringen. Ich glaube, hier habe ich mich am meisten weiterentwickelt.

Was ist dein größter Wunsch für die aktuelle Situation der Universitäten?

Mein größter Wunsch ist es, dass sich die Universitäten wirklich auf die Bedürfnisse der Studierenden einlassen. Wir haben gesehen, wo Nachteile entstehen und, dass durch die Corona-Krise alles irgendwie sehr schiefgelaufen ist. Die Digitalisierung hat jetzt nur bei einigen funktioniert. Fangen wir mal an: der eine hat keinen Laptop und kann jetzt nicht bei den ganzen Calls dabei sein und das ist natürlich eine größere Hürde. Viele Sachen müssen auf den Universitäten geändert werden. Eben diese Digitalisierung und dann muss man schauen, was die Bedürfnisse der Studierenden sind. Das Ministerium und die Universität sagen, es soll kein verlorenes Semester sein. Es ist aber mehr oder weniger ein verlorenes Semester. Es sind bereits zwei bis drei Monate vergangen, wo eigentlich nicht sehr viel Positives herausgekommen ist. Dieses Semester dann in den Sommer hinauszuzögern wäre einfach fahrlässig oder ignorant. Viele Studierende sagen, vielleicht ist im Sommer wieder alles lockerer, vielleicht habe ich einen Sommerjob oder möchte generell nebenbei arbeiten. Es wird jedenfalls für viele nicht die Möglichkeit geben, im Sommer studieren zu können. Ich finde es gut, dass man sagt, wir möchten für die Leute, die quasi das Studium beenden wollen oder für die, die aus Zeitgründen das Studium schneller beenden wollen, dass diese im Sommer studieren können und mehr tun können. Es soll jedoch kein Nachteil daraus entstehen. Man soll im Nachhinein nicht sagen können, du hast im Sommer die Möglichkeit gehabt diesen Kurs zu besuchen und weil du es nicht gemacht hast, ist es dein Problem.

Wir haben das große Problem, dass viele im Sommersemester einen Kurs nicht besuchen können, welcher wiederum Voraussetzung für einen Kurs im Winter ist. Manche Kurse werden eben nur im Sommer- oder im Wintersemester angeboten. Man bekommt ein zusätzliches Semester, was man zusätzlich auf der Universität verbringen muss oder kann oder will, je nachdem. Viele müssen dann ein Semester mehr Studiengebühren zahlen und das ist in meinen Augen einfach nicht in Ordnung. Da müssen sich die Universitäten auch ein bisschen an der Nase nehmen und sich eingestehen, dass wir nicht auf dem neuesten Stand sind. Man soll nicht verblenden und sagen: es läuft alles super.  Ganz und gar nicht. Ich wünsche mir, dass sagt: ja wir müssen jetzt auf die Studierenden schauen. Die Hochschulvertretungen sind für die Studierenden da und sie müssen eben in verschiedenen Bereichen mehr eingebunden werden, damit sie mehr Mitspracherecht haben, wir diskutieren können und eine gemeinsame Lösung finden. Es braucht keine zwei Ebenen – die Universitäten und die Studierenden – die quasi gegeneinander ankämpfen. Gerade jetzt ist nicht die beste Zeit für so etwas.

Schauen wir nun auf ein anderes Thema: Zwei von drei Personen im Vorstandsteam sind Frauen. Wie sieht das Gesamtbild der ÖH aus und welche Probleme hat man als Frau in der Politik?

Wir sind derzeit zwei Frauen oder zwei FLINT[2] Personen im Vorsitzteam. Zum einen Dora, die auch zweite Stellvertreterin ist und Desmond, der mein erster Stellvertreter ist. Wir arbeiten eigentlich ganz gut miteinander. Ich finde es natürlich auch wichtig, dass vor allem in diesen Positionen eine FLINT Person drinnen sitzt. Beim VSStÖ[3] ist es auch so, dass man mehrheitlich sagt, man möchte eine FLINT Person in diesen Positionen sehen. Bei den FLÖ, also bei den unabhängigen Fachschaftslisten Österreich, ist es denke ich unterschiedlich. Wir haben untereinander eine ganz gute Zusammenarbeit. Die weitere Frage, wie ist das Gesamtbild der ÖH in der ÖH Bundesvertretung? Dort haben wir über 50 Prozent oder sogar mehr FLINT Personen auf der Liste, das ist sehr gut. Ich finde es wichtig, dass Frauen einfach mehr repräsentiert werden. Wir sehen auf vielen Ebenen – vor allem in der Politik – mehrheitlich Männer. PolitikerInnen sind die, die die Bevölkerung quasi darstellen und vertreten und die Hälfte der Bevölkerung sind halt Frauen, FLINT Personen. Warum sollte das nicht in der Politik auch so gezeigt werden? Ich glaube, dass wir mehr oder weniger eine Vorbildwirkung haben und ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt. Wir sind im 21. Jahrhundert und wir sind noch immer nicht gleichberechtigt gegenüber den Männern. Allen voran die Bezahlung. Diese ist auf vielen Ebenen drastisch unterschiedlich. Wie kann man das verändern? Ich glaube, man kann immer mehr Anreize für FLINT Personen schaffen und sagen, wir wollen diese Gruppe fördern und mehr in die Politik einbinden. Frauen haben es natürlich viel schwerer, irgendwo reinzukommen, weil sie von klein auf in gewisse Schienen gedrängt werden. Zum Beispiel in Pflegeberufen, da sieht man, dass vor allem Frauen in der jetzigen Situation fürs System relevant sind und am meisten in diesen Bereichen arbeiten. Man bekommt von klein auf als Mädchen gesagt: du wirst Lehrerin, du wirst Krankenschwester, etc. Ich finde es ist wichtig, dass man auch den Kleinen sagt, dass ein gewisses Spektrum zwischen Burschen und Mädchen möglich ist. Man sollte daher nicht sagen, dass du als Mann im Industriewesen oder als Techniker arbeiten musst. Du kannst auch etwas völlig Anderes machen – deinen Traumberuf. Wir müssen anfangen, dafür zu arbeiten.

Warum funktioniert es in der Studentenpolitik vergleichsweise besser als in der Bundespolitik?

Ich glaube das liegt an den Fraktionen selber. Vielleicht, weil manche auch vermehrt Frauen direkt ansprechen. Also für die GRAS gilt, da weiß ich, dass wir mindestens 70 Prozent an FLINT Personen haben. Wir wollen aber auch Anreize schaffen. Das ist die Aufgabe der jeweiligen Partei und der einzelnen Personen. Deswegen versuchen wir Anreize zu schaffen, damit Frauen in die Politik gehen oder quasi in der Studierendenpolitik dabei sind. Warum ist es in der normalen Bundespolitik schwerer? Ich glaube einfach, dass die einzelnen Parteien nicht wissen, wie sie Frauen ansprechen können. Viele Parteien vertreten zudem vielleicht auch nicht die Interessen vieler Frauen. Ich glaube, die Grünen und die NEOS haben einen hohen Frauenanteil. Diese gehen aber auch aktiv auf Frauen zu und wollen für Frauen einstehen und ihnen quasi auch helfen. Was wiederum bei der FPÖ nicht der Fall ist. Auf der Studierendenebene sind vielleicht auch die Hürden niedriger, um in die Politik reinzukommen. Es sollte zumindest niederschwelliger sein. Damit man eben sagen kann, Frauen, FLINT Personen, können hinkommen und einen Teil der Verantwortung tragen oder sogar eine Führungsrolle einnehmen. Man muss verschiedene Ebenen durchlaufen und dann gibt es natürlich unterschiedliche Hürden. Zum Beispiel, dass man sagt, Frauen haben eine Kinderbetreuungspflicht. Da ist es dann natürlich schwieriger, wenn man Betreuungspflichten und Arbeit miteinander vereinbaren möchte. Wie gesagt, es liegt an den einzelnen Parteien und Fraktionen, dass sie sich selber an der Nase nehmen und auf Frauen, FLINT Personen, aktiv eingehen. Sich selber zu fragen, was wollen und brauchen diese in der Politik und was sind ihre Ziele, damit wir sie so gut wie möglich unterstützen können.

Viele Politiker nutzen die Studierendenpolitik als Sprungbrett in die Politik. Als Beispiel: Sigi Maurer, Christian Kern, Matthias Strolz, Harald Mahrer. Gilt die ÖH als ein Sprungbrett in die Bundespolitik?

Die meisten, die auf der ÖH arbeiten, gehen nicht zwangsläufig in die Politik. Es kann ein Sprungbrett sein, aber man muss auch selbst aktiv werden. Viele bleiben auch nach der ÖH in diesem Bereich oder sie gehen nach ein paar Jahren einen anderen Weg, weil sie kein Interesse daran haben, irgendwie groß politisch noch etwas zu machen. Ich selbst finde, man kann es durchaus positiv nutzen. Ich glaube schon, dass ein kleiner Teil von Studierenden-VertreterInnen auch in den einzelnen Parteien in der Basis herumschwirrt und dort arbeitet. Dennoch glaube ich nicht unbedingt, dass jetzt alle, die auf einer ÖH arbeiten, in die Politik wollen. Da ist schon der Fokus darauf, dass man den Studierenden hilft und es jetzt nicht selbst als Karrieresprungbrett heranzieht.

Was war wiederum dein persönliches Interesse für die ÖH, und ist die Politik für dich dadurch interessanter geworden?

Ich fand Politik schon immer sehr interessant. Wenn ich mir jetzt denke, würde ich morgen mit der ÖH aufhören, dann würde ich nicht direkt in die Politik wandern. Ich bin eher so eine Person, die von Tag zu Tag arbeitet. Meine Ziele stecke ich mir nicht so weit nach vorne. Ich glaube, ich bräuchte wohl einmal eine Pause und würde vielleicht gerne mal etwas Anderes machen, als in der Politik zu arbeiten. Ich schaue mir eher an, was ich für Möglichkeiten habe. Passen meine Lebensumstände zu meinen Lebenszielen? Grundsätzlich glaube ich, dass ich mich in der Politik ganz gut zurechtfinde, aber es ist jetzt nicht mein primäres Ziel.

Was sind deine persönlichen Ambitionen, auch hinsichtlich deines Geschichte-Studiums? Kannst du dir vielleicht in diese Richtung etwas vorstellen?

Ich möchte gerne verändern. Egal wie. Sei es mit Politik oder auch mit Geschichte. Ich studiere ja nicht Lehramt, sondern im Bachelor.

Ich könnte auch in einen Sozialberuf gehen. Dafür ist Geschichte zwar nicht die beste Voraussetzung, aber vielleicht werde ich mich noch für ein anderes Studium inskribieren, wenn ich mit meinem Bachelor oder dann mit dem Master fertig bin. Für mich ist es eben wichtig, dass ich in der Gesellschaft etwas bewege. Sei es auch nur, wenn ich im Kleinen auf der Studierendenebene etwas bewirke. Geschichte macht mir wahnsinnig viel Spaß. Ich lese gerne tausende Bücher, vom Mittelalter bis hin zur Neuzeit. Die Antike ist jetzt nicht mein Fachgebiet, aber quergeographisch finde ich alles sehr interessant. Trotzdem fokussiere ich mich gerne – eben durch meinen Migrationshintergrund – auf den Balkan. Mir ist es schon sehr wichtig, dass die Situation von denen, die aus Ex-Jugoslawien sind, sichtbarer gemacht wird. Wir haben hier eine Gruppe an Menschen, die einen großen Teil der Bevölkerung in Österreich darstellt und dieser wird immer wieder vergessen. Natürlich wäre Politik hier eine Möglichkeit, dass man sagt, man macht dies sichtbarer. Irgendwie ist mein persönlicher Eindruck – ich bin jetzt nicht in der serbischen oder ex-Jugoslawien Szene aktiv – dass diese so wenig politisiert ist. Sie setzen sich so wenig mit Politik auseinander. Daher kann ich mir vorstellen, dass ich da in diesem Bereich etwas mache.

Wir bleiben noch in diesem Themengebiet. Du hast es bereits ein klein wenig angesprochen. Nahezu alle Bundes- und LandespolitikerInnen, die einst in Studierendenorganisationen tätig waren, sind heute realpolitisch unterwegs. Womit hängt das deiner Meinung nach zusammen?

Ich glaube, die einzelnen Fraktionen, die es gibt, sind irgendwie doch mit den Parteien auf Bundesebene verbunden. Ich sehe es bei den Grünen und bei GRAS. Auch, wenn wir zwei verschiedene Organisationen sind und die GRAS eigentlich eine eigene Partei ist, seit mehr als 20 Jahren. Wir arbeiten gerne mit den Grünen zusammen, auch im Wahlkampf. Wir haben die gleichen Werte, wir haben die gleichen Ziele. Beispielsweise die Thematisierung der Klimakrise, da wollen wir einfach ein größeres Bewusstsein schaffen. Darum ist es wichtig, dass wir zusammenarbeiten. Trotzdem werden wir uns nicht hinstellen und sagen, wir sprechen uns ab und passen uns an. Wie ich schon am Anfang erwähnt habe, ist es uns wichtig, dass wir weiterhin eine kritische Organisation bleiben, auch gegenüber den Grünen. Das ist sehr wichtig, finde ich. Wir sind halt trotzdem immer noch eine untere Ebene und ein Mysterium. Man ist irgendwie in der Opposition. Unsere Aufgabe ist es Forderungen zu stellen und zu kritisieren. Viele haben dann immer in diesen Studierendenorganisationen große Utopien und große Ideen und wenn man dann quasi in die Realpolitik kommt, ist es meistens sehr viel anders. Das ist, finde ich, jetzt nicht so schlimm. Man muss eine Utopie im Kopf haben und immer danach streben. Dass nicht immer alles von einem Tag auf den anderen perfekt laufen wird, ist eh klar. Gewisse Situationen muss man einfach akzeptieren und sagen: es ist so. Wie können wir das verbessern? Für mich ist immer wichtig, dass man, wenn man von der Studierendenpolitik auf die Realebene geht, sein großes Ziel vor Augen nicht verliert. Auch, wenn man viele Kompromisse eingehen muss.

Es ist auch wichtig zu sich selbst zu sagen: Okay, ich bin jetzt in einer Partei, wo ich selbst nicht hinter allen, aber hinter vielen Punkten und Schritten stehe – dass man in dieser Situation dann doch das gemeinsame große Ziel beibehält. Das wäre das Wichtigste.

Dann noch eine abschließende Frage. Welche Person inspirierte dich in deinem bisherigen Werdegang oder für deinen zukünftigen?

Schwierig. Also in erster Linie waren es schon meine Eltern. Die mich eben schon dazu gebracht haben, mich mit der Politik auseinanderzusetzen. Ich weiß noch, dass ich als kleines Kind zu einer Demonstration in Serbien mitgenommen wurde. Ich wurde auf den Schultern von meinem Papa getragen. Das war meine erste „Demo-Experience“. Ich diskutiere auch noch immer mit meinen Eltern, etwa im Bereich der Religion oder über Themen der Grünen. Mein Papa kann in Österreich nicht wählen, aber meine Mutter. Die hat immer gewählt. Ich kritisiere sehr oft die Grünen, meine Eltern verteidigen sie immer gerne. Das sind so meine zwei Personen, mit denen ich mich sehr gerne austausche und sie als Vorbild sehe, weil sie aus dem Nichts ein Leben für mich und meinen Bruder erschaffen haben, wo wir quasi mehr oder weniger privilegiert leben dürfen oder können. Es war eine Arbeiterfamilie, aber sie haben sich hochgearbeitet und immer durchgesetzt oder es zumindest versucht. Ich bin auch immer wieder in der Sache zurückgefallen, dass man einen Migrationshintergrund hat, dass man aus Serbien kommt. Da ist man mit Vorurteilen behaftet. Da wird man auch immer wieder diskriminiert, oft unterschwellig. Ich fand es schon immer so bewundernswert, wie sie damit umgegangen sind und, dass sie sich nicht unterkriegen haben lassen. Politische Vorbilder habe ich irgendwie wenige, damit habe ich mich nie wirklich auseinandergesetzt. Ich kenne aber einen serbischen Politiker, der mich eben von klein auf geprägt hat und wo ich die Philosophie und die Mentalität mag. Dieser ist einem Attentat zum Opfer gefallen. Das hat mich ein bisschen geprägt, aber so in der österreichischen Politik habe ich eher weniger Vorbilder. Es sind nicht die Personen, die mich inspirieren, sondern mehr oder weniger die Inhalte. Wir sollten auf unsere Gemeinsamkeiten schauen, um etwas zu verändern.


[1] GRAS wörtliche Bedeutung: die Grünen & Alternativen StudentInnen

[2] FLINT* steht für Frauen*, Lesben, inter, non-binary und trans* Personen

[3] Verband sozialistischer Student_innen

Nikola Milenović
Als Student in den Fächern Geschichte und PPÖ ist Nikola bei uns als Interviewer tätig. Ebenso bringt er Erfahrung aus diversen Rhetorik Seminaren mit und ist auch bei der Ideenfindung involviert.

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