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Du bist jetzt mit 25 Jahren die designierte Bundesobfrau der JVP geworden. Bevor wir aber dann über die JVP sprechen, zuerst zu deiner Person. Zum einen kommst du aus einem politischen Haushalt. Aus einem Haus wo auch dein Vater politisch tätig ist. Du bist selbst 2013 Landesschulsprecherin gewesen, 2016 dann Landesobfrau der JVP und 2017 warst du dann die jüngste Abgeordnete im Nationalrat. Was hat dich dazu bewegt, dass du diese Laufbahn einschlägst? War es eher das familiäre oder waren es die Vereinstätigkeiten? 

Ja es ist vieles eigentlich, durch Engagement passiert. Ich bin in meiner Heimatgemeinde Walding, nördlich der Donau, immer schon, also von klein auf in Vereinen engagiert gewesen. Es war dann eher das: Ich möchte mit anderen Jugendlichen gemeinsam in der Gemeinde etwas machen.  Das war eigentlich immer die vordergründige Motivation. Das politische Interesse, das ist dann eigentlich vor allem mit dem Alter gekommen, ab dem man selber dann auch wahlberechtigt war – mit 15 oder 16 Jahren. Ich bin in Linz bei den Kreuzschwestern zur Schule gegangen und war dort Schulsprecherin. Das war auch mehr aus einer Motivation heraus, weil ich mit Schulkollegen gemeinsam das Schulfest organisiert habe und weil wir gemeinsam viele kleine Projekte zusammengebracht haben. Diese haben weniger einen politischen Hintergrund gehabt, vielmehr ging es darum das schulische Umfeld zu verbessern und für eine stärkere Gemeinschaft zu sorgen. Das Politische ist dann eigentlich erst mit der Landesschulsprecherin so richtige dazu gekommen. Ich war dann auch automatisch Mitglied der Bundesschülervertretung. Dort hat man dann auch die ersten Termine im Ministerium. Enge Zusammenarbeit, seinerzeit noch Claudia Schmidt, das ist ja jetzt doch schon einige Jahre her, 2013. Ich hätte das jetzt gar nicht mehr so genau gewusst.

Das war wirklich der erste politische Berührungspunkt. Es waren dann zwei Jahre später, in Oberösterreich, bei uns, die Gemeinderatswahlen, wo ich dann in meiner Heimatgemeinde Walding im Gemeinderat kandidiert habe. Wir haben die gesamte Gemeinde sehr stark umgedreht. Mein Papa ist auch erst seit 2015 Bürgermeister, weil manche glauben, der muss schon jahrelang Bürgermeister gewesen sein und dann ist da die Tochter nachgekommen, aber nein. Wir sind dann gemeinsam mehr oder weniger in der Gemeindepolitik durchgestartet. Ich bin nach wie vor auch im Gemeinderat, das ist mir einfach wichtig. Ich bin dort irgendwie geerdet in der politischen Aufgabe. Man kann auch das ein oder andere von Walding mitnehmen nach Wien und auch umgekehrt. Die Politik funktioniert doch auf den unterschiedlichen Ebenen anders. Regionalpolitik war und ist mir jedoch schon immer ein großes Anliegen und wird es auch bleiben.

Du bist, wie schon erwähnt, vor kurzem designierte Bundesobfrau der JVP geworden. Das ist immerhin die größte politische Jugendorganisation des Landes. Was waren die Beweggründe? Man wird ja nicht von heute auf morgen die Obfrau der größten politischen Jugendorganisation. 

Ich bin seit mittlerweile zehn Jahren bei der Jungen ÖVP dabei. Die Junge ÖVP feiert heuer ihr 55-jähriges Bestehen. Ich könnte eigentlich schon sagen, dass ich ein “alter Hase” bin in der JVP, auch wenn ich erst 25 Jahre bin. Ich bin wirklich schon mit dem frühestmöglichen Zeitpunkt, mit 15 Jahren, meiner Ortsgruppe damals beigetreten und das war für mich der größte politische Freundeskreis. Wo wir eben etwas weitergebracht haben in der Gemeinde und auch bei Veranstaltungen, welche wir auch nach wie vor machen. Damit sich eben immer etwas tut. Dass das Leben am Land auch für junge Leute attraktiv bleibt und wodurch sich auch sehr viele engagieren. Ich bin seit mittlerweile 4 Jahren in Oberösterreich auch Landesobfrau und habe durch meine Tätigkeit als Nationalratsabgeordnete ohnehin immer den Weg zwischen den Bundesländern. Das steht immer auf der Tagesordnung. Ich bin viel in Wien, aber gerade auch als Jugendsprecherin auch in den anderen Bundesländern unterwegs. Beim „Schnölli“ (Schnöll Stefan), mit dem ihr bereits ein Interview geführt habt, bei ihm sind eben diese drei Jahre ausgelaufen, er arbeitet auch jetzt wieder am JVP-Bundestag. Es freut mich sehr, dass die Bundesleitung auch ihr Vertrauen ausgesprochen hat. Jetzt schauen wir, dass wir im Herbst auch wieder unter diesen Umständen den Bundestag machen können. Ich hoffe und freue mich sehr, dass wir da auch hoffentlich wieder ein großes Zusammenkommen haben werden, was in diesen Zeiten sehr schwierig ist. Ich freue mich auf diese Herausforderung und es hängt natürlich auch immer mit einem starken Team zusammen. Das haben wir eben bei der JVP.

Mit dem Aufstieg von Sebastian Kurz ist die JVP vermehrt, also über die ÖVP hinaus, in den Vordergrund gerückt. Wir haben uns die Frage gestellt: Welche Rolle nimmt die Junge Volkspartei heute eigentlich ein? 

Die JVP ist ein nicht wegzudenkender Bund innerhalb der ÖVP. Josef Ratzenböck, unser ehemaliger Landeshauptmann hat ja einmal gesagt: „Die Junge ÖVP ist der wichtigste Bund in der ÖVP.“ Als Obfrau sehe ich dies natürlich genauso, weil die JVP für Nachwuchs sorgt, innerhalb der Partei. Das ist gerade in der Politik sehr wichtig, weil Politik oft das Bild hat, dass sich hier nur über 50-jährige engagieren und Gesetze machen. Eigentlich ist jetzt Politik, also wenn man jetzt an das Parlament oder den Gemeinderat denkt, ist es ein Miteinander mehrerer Generationen. Ein Miteinander zwischen Männern und Frauen, verschiedenen Berufsgruppen, etc. Da gehören Junge dazu, da gehören Ältere dazu, da gehören Erfahrenere und genauso welche, die gerade frisch in die Politik einsteigen. Dieses Miteinander leben wir in der ÖVP schon sehr stark. Das steckt ja auch im Namen drinnen „Volkspartei“.

Wir haben den Anspruch an uns selber, dass wir repräsentativ sind. Repräsentativ sind wir nur, wenn wir die Jugend auch mit in das Boot holen. Mit Sebastian Kurz ist uns in den letzten Jahren auch als Bundesobmann einiges gelungen. Dieser hat als jüngster Außenminister und als Staatssekretär für großes Aufsehen gesorgt. In dieser Zeit hatten wir gerade zwei Nationalräte. Mittlerweile stellen wir zehn Abgeordnete auf Bundesebene: eine Bundesrätin, neun Nationalräte und den jüngsten Bundeskanzler, den es jemals gegeben hat. Sebastian hat natürlich als junger JVP Obmann auch viele junge Persönlichkeiten gefördert, wodurch es heute auch möglich ist, dass diese Leute in verantwortungsvolle Positionen kommen. Wenn man sich die Bundesregierung ansieht, sind es sehr sehr viele junge Minister in diesen Reihen. Es ist auch das erste Mal, dass wir eine Regierung haben, wo wir durch gleich viele Männer wie Frauen vertreten sind. Ich glaube damit kann man arbeiten, wenn man so viele verschiedene Perspektiven mit einbinden.

Neben Sebastian Kurz gibt es auch noch andere, wie etwa Othmar Karas oder Werner Amon, welche auch durch die JVP groß geworden sind. Könnte man die JVP auch als politisches Sprungbrett bezeichnen? 

Definitiv. Die JVP ist ein politisches Sprungbrett, aber was uns klar unterscheidet von sämtlichen politischen Jugendorganisationen ist, dass die JVP sicher nicht die „Ersatzbank“ ist. In anderen Parteien läuft es so, dass die jungen Leute auf der „Ersatzbank“ sitzen und am „Feld“ eher die erfahrenen Spieler spielen und wenn dann einmal ein erfahrener Spieler ausgewechselt wird, dann rückt ein junger nach. Bei uns können die Jungen jetzt schon mitgestalten und Verantwortung übernehmen. Das sieht man nicht nur in den Gemeinderäten. Wir haben in Oberösterreich 550 JVP Gemeinderäte (aufgerundet). Ich komme gerade von einem Termin mit dem jüngsten Bürgermeister: Fabian Grüneis, der mit 22 Jahren Bürgermeister geworden ist. Oder aus Eferding, Severin Mayr, ist glaube ich vielen ein Begriff und das wäre glaube ich vor 20 Jahren noch undenkbar gewesen. Wenn ich mit meinen Eltern spreche, welche nach wie vor ganz „baff“ sind, wenn sie in der Zeitung lesen, dass wieder ein 21-Jjähriger da und dort zum Bürgermeister gewählt wird. Das wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen. Ich sage immer, beim Fabian Grüneis gab es ein viel größeres mediales Interesse, weil er beruflich DJ ist und nicht weil er 22 Jahre jung ist. Dieser Trend inmitten der ÖVP hat sich sehr stark verändert.

Wenn man die JVP ansieht, dann ist es eine heterogene Organisation. Sie ist am Land aktiv aber auch in Städten und es steht nicht immer das politische im Vordergrund. Es ist eine Organisation, die darüber hinausgeht. Was ist für dich der gemeinsame Nenner der JVP?

Der gemeinsame Nenner und gleichzeitig die Motivation, sich in der JVP zu engagieren, sind die Leute. Diese arbeiten sehr konstruktiv, suchen nach Lösungen und zeigen nicht nur Probleme auf, sondern wir überlegen auch immer gleich, wie wir etwas verbessern können. Das ist das was einen irgendwo antreibt, wenn man mit engagierten jungen Leuten zusammenarbeitet, die etwas besser machen wollen.

Wie siehst du die Rolle der Frau in der JVP? 

Die ROlle ist eine sehr wichtige. Wir schauen, dass wir als Junge ÖVP auf allen Ebenen auch ausgeglichen sind. Dies gelingt uns nach und nach auch besser. Gerade ich als junge Frau innerhalb der JVP und ÖVP kann sagen: “Das gelingt einem schon und das Miteinander muss einfach passen.” Wir haben sehr viele Ortsgruppenobfrauen, Bezirksobfrauen, etc. in der ÖVP. Ich bin jetzt auch nicht die erste Bundesobfrau, da hat es auch schon eine Vorgängerin gegeben und ja das ist etwas ganz Natürliches.

Findest du, dass es Unterschiede gibt zwischen Stadt und Land in der Verteilung der Geschlechter? 

Es gibt verschiedene Unterschiede zwischen den Funktionären zwischen Stadt und Land. Auch wenn man es vergleicht, gibt es einen wahnsinnig hohen Anteil an Personen, die eine Lehre gemacht haben. Dies ist natürlich in den ländlichen Ortsgruppen noch stärker vertreten als im städtischen Bereich, wo wir auch viele Studenten haben, die sich engagieren oder auch Selbstständige. Da gibt es natürlich dort und da ein gewisses Gefälle, aber wir suchen überall händeringend nach engagierten jungen Leuten und schauen dabei auch speziell darauf, dass wir Frauen fördern. Auf Bundesebene gab es auch zum ersten Mal ein bestimmtes Programm zur Frauenförderung. Dadurch versuchen wir junge Frauen in die Politik zu bringen. Gerade in der Kommunalpolitik ist dies auch ein starkes Thema. Unter den zehn Abgeordneten, welche wir auf Bundesebene haben, von der Jungen ÖVP, sind sieben Frauen. Also da sind wir eh sehr stark aufgestellt. Wir haben eine Generalsekretärin und sieben Abgeordnete. Viel mehr in den Gemeinderäten. Ich merke es selber, wenn es um die Listenerstellung geht. Da ist oft so diese Altersgruppe, Frauen zwischen 30 und 40 Jahren, die sehr schwer zu motivieren ist, in die Politik zu gehen. Das ist eben auch das Alter, wo man andere Prioritäten im Leben hat, wie beispielsweise die Familienplanung. Politik kann nur gut funktionieren, wenn du verschieden Sichtweisen dabei hast. Vor allem muss Politik auch noch frauenfreundlicher werden. Damit auch die entsprechenden Rahmenbedingungen passen. Leider kann eine Politikerin nicht in Karenz gehen, wie es vielleicht anderswo in einem Job möglich ist. Ein Amt ist meist ein Fulltime-Job, welcher mit zahlreichen Veranstaltungen verbunden ist. Es gibt Gott sei Dank viele Vorbilder, welche dies schon geschafft haben, egal ob es Ministerinnen sind, Klubobfrauen, etc., die alles unter einen Hut bringen. Dort kann man sich sehr viele Erfahrungen abholen. Ich glaube es schadet auch nicht, wenn man hier die Rahmenbedingungen noch verbessern kann.

Du warst ja mittlerweile schon auf verschiedenen Ebenen aktiv, wie wir schon gehört haben. Auf der Gemeinde, JVP, Nationalrat. Hast du als Frau gemerkt, dass man auf den verschiedenen Ebenen unterschiedlich wahrgenommen wird? 

Eigentlich nicht, nein. Es fragen immer sehr viele danach, ob ich als „Junge“ überhaupt ernst genommen werde im Parlament oder gerade als junge Frau. Ich muss immer sagen: Ja, du wirst wie jeder andere der 183 Abgeordneten, ernst genommen. Es ist sogar oft der Fall, dass die Älteren sagen: „Geht’s ihr nach vorne.“ oder „Was sagt ihr zu dem Thema? Euch betrifft es schlussendlich. Bei mir betrifft es nur mehr die Enkelkinder.“

Im Gemeinderat habe ich dieses Jahr die Erfahrungen gemacht und genauso auch auf Bundesebene. Darum ist es ja auch wichtig, dass wir junge Leute haben in den einzelnen Gesetzgebungen.

Deine Funktionsperiode als Bundesobfrau fängt ja erst an, aber hast du bereits eine gewisse Vorstellung zu den Schwerpunkten, welche du setzen möchtest? 

Ich habe ja noch einige Monate Zeit, dass wir dann den Bundestag im Herbst machen können. Deswegen habe ich vor, dass ich die Zeit jetzt im Sommer auch nutze, um in die Bundesländer zu fahren. Es wäre sowieso Urlaub in Österreich auf dem Programm gestanden, aber jetzt mache ich eine Bundesländertour daraus. Ich werde die Bundesländertour in zwei Wochen, wo ich auch alle Landesorganisationen besuchen werde – in Vorarlberg beginnend, danach nach Tirol, Kärnten bis hin nach Wien, wo wir dann auch mitten im Wahlkampf stehen. Ich arbeite, wie man bereits schon rausgehört hat, sehr gerne in Teams. Ich möchte diese Zeit nun einerseits nutzen, dass wir inhaltlich etwas Neues und vor allem ein ordentlichen Programm auf die Beine stellen und beim Bundestag beschließen können und, dass wir uns organisatorisch auch erneuern können. Da möchte ich die Erfahrungen und die Erwartungen von den Bezirksobleuten der Jungen ÖVP erfragen als Bundesorganisation. Wie wir die Arbeit eines Funktionärs in der Ortsgruppe oder auf Bezirksebene vereinfachen können und wie wir unterstützen können. Das ist unsere primäre Aufgabe. Das möchte ich auch direkt mit den Leuten besprechen und nicht sozusagen in einem Büro mir alleine Gedanken machen, – sondern ich bin eine, die auch immer gerne unterwegs ist. Ich denke, das ist eine gute Grundvoraussetzung für den Job. Ich möchte dabei auch unsere Spitzenfunktionäre etwas besser kennenlernen.

Gibt es für dich Themen, die für die JVP wichtig sind, aber auf der Bundesebene noch nicht so ganz repräsentiert sind? 

Gibt sehr sehr viele. Also Jugendpolitik, sage ich immer, ist eine Querschnittsmaterie, betrifft ein jedes Ressort, egal ob das die Verteidigung ist, die Finanzen sind, etc. – jeder Beschluss im Parlament ist Jugendpolitik.

Genauso jetzt, dass wir bei der Einkommenssteuer die Tarife gesenkt haben, von 25 auf 20%. Das ist ein klassisches Arbeitnehmer-Thema, aber es ist genauso Jugendpolitik. Wir haben auch zahlreiche Arbeitnehmer. Ein jeder Beschluss trifft uns früher oder später auch immer. Was mir immer ein wichtiges Anliegen ist, ist das Thema Ehrenamt, wo man sich auf politischer Ebene oft schwer tut die nötigen Rahmenbedingungen zu setzen. Gleichzeitig sollte man aber auch nicht wieder zu viele Rahmenbedingungen vorgeben. Das ist glaube ich das Problem, was wir dort und da haben. Gott sei Dank haben wir in Österreich sehr sehr viele ehrenamtlich Engagierte. Die Bundesjugendvertretung hat dies einmal veröffentlicht. Jeder zweite Jugendliche in Österreich engagiert sich ehrenamtlich. Auf das sind wir furchtbar Stolz, das ist ein toller Schnitt. Auf den unterschiedlichsten Ebenen, egal ob es im Sicherheitsbereich ist, bei der Rettung oder bei der Feuerwehr, bei kulturellen, sportlichen oder auch bei vielen anderen Organisationen und das müssen wir auch in Zukunft attraktiv halten. Damit in vielen Bereichen Nachwuchs nachkommt und damit junge Leute auch die Motivation haben das Land mitzugestalten, egal auf welcher Ebene. Ehrenamtlich wie auch politisch. Das ist mir, nachdem ich selber aus vielen Vereinen komme, immer ein großes Anliegen gewesen. Aber auch die Bildungspolitik, wo es zum Glück eine tolle Zusammenarbeit auch mit unserem Bildungsminister Heinz Faßmann, ist für mich ganz wichtig. Nachdem ich auch aus der Landesschülervertretung komme, ist mir dies daher immer ein großes Anliegen.

Du hast es bereits erwähnt: Du bist selber auch in anderen Vereinen tätig. Zum Beispiel im Musikverein. Wie wichtig ist für dich diese Tätigkeit? Erdet dich diese Vereinstätigkeit? Du hast dadurch einen Bezug zu deiner Heimatgemeinde. Zum anderen: wie schafft man es, dass man so viele Funktionen zeitlich unter ein Dach bringt? 

Zuerst einmal die Antwort auf die letzte Frage: Für die wichtigen Dinge muss man sich Zeit nehmen. Da gehört hin und wieder auch freitags Nacht eine Musikprobe dazu. Andere machen Sport, ich bin eben eher weniger die Sportliche, dafür viel mehr die Musikalische. Das ist mein Ausgleich zur Politik. Wenn ich im Auto unterwegs bin, gehört für mich Musik genauso zum Autofahren dazu. Ich merke auch, wenn ich mich vorher über irgendetwas aufgeregt habe und dann den Radio aufdrehe beruhigt dies unglaublich. Musik bringt einem schon immer sehr runter. Das ist das, was eben auch viele Generationen miteinander verbindet. Ich schaue auch, dass ich regelmäßig – jetzt durch Corona eher weniger – bei den Musikproben dabei bin. Ich spiele mittlerweile die vierte Posaune.

Es ist genauso im Musikverein wie im Parlament. Es sind alle Generationen beisammen. Ich sitze in der letzten Reihe als Posaunistin neben dem Tubisten. Das Umgekehrte ist, dass ich nicht die jüngste bin. Laut Register bin ich sogar die älteste. Das ist natürlich ein schöner Ausgleich, der einen selbstverständlich auch erdet. Man ist nicht nur in dieser politischen Blase aktiv, sondern dort, wo einem auch einmal klar die Meinung gesagt wird. „Claudia, hey das habt ihr super gemacht in Wien“ oder „Hey Claudia, das war ein Blödsinn, schaut euch das noch einmal an.“ Diese ehrliche Rückmeldung brauchen wir auch.

Das ist ein ganz ein guter Punkt. Merkst du für dich auch einen Unterschied im Verhalten? Wie es früher war im Musikverein und wie es heute ist als Abgeordnete? Behandelt man dich als die Claudia von früher?

Nein, ich bin nach wie vor die Claudia, die in einer kleinen Ortschaft zuhause und seit über zehn Jahren beim Musikverein ist. Nachdem ich mein Verhalten nicht verändert habe, sind auch die anderen mir gegenüber gleich geblieben. Das möchte ich auch in naher Zukunft beibehalten. Deswegen ist die Musik für mich ein guter Ausgleich. Da bin ich einfach ich, wie ich auch vor zehn Jahren war.

Du studierst ja Wirtschaftspädagogik und hast dahingehend auch in einem Interview einmal erwähnt, dass für dich die politische Laufbahn nicht etwas ist, was deine Lebenskarriere oder deine Lebenslaufbahn beschreibt. Wo stellst du dich selber in beruflicher Hinsicht in Zukunft vor? 

Genau, ich studiere Wirtschaftspädagogik, das ist jetzt kein klassisches Lehramtsstudium, aber man kann dann in den Lehrberuf gehen. Ich habe zuerst in Wien angefangen zu studieren und bin dann nach Linz gewechselt. Dieses Studium gefällt mir irrsinnig. Ich habe jetzt noch die Diplomarbeit ausständig, die ich hoffentlich diesen Sommer fertigstelle. Das ist einfach auch wichtig, dass man trotz politischer Karriere die Ausbildung abschließt. Gerade, wenn man diesen Beruf schnell anfängt, kann es auch schnell wieder vorbei sein mit dem politischen Geschäft. Unabhängig von Wahlen und anderen politischen Faktoren. Abgesehen davon glaube ich, dass ich noch zu jung bin, um zu sagen und das möchte ich auch gar nicht, mein Leben lang nur in der Politik sein und als Politikerin dann in Pension gehen. Es wird in meinem Leben schon einmal der Punkt kommen, wo ich etwas anderes machen möchte. Ich kann mir dann durchaus gut vorstellen, dass ich den Beruf als Lehrerin einschlagen werde.

Zu guter Letzt: Gibt es für dich Personen im politischen Bereich, die dich inspirieren? Egal ob auf Landes-, nationaler- oder internationaler- Ebene. Wer ist in gewisser Weise ein politisches Vorbild? 

Es gibt sicherlich viele, von denen man sich dies oder das abschauen kann, in den unterschiedlichsten Bereichen. Vor allem die Selbstorganisation ist das, was man sich abschauen kann von einigen Kolleginnen und Kollegen. Oder auch politische Positionen oder wie sie an Dinge herangehen. Ich genieße Ausschusssitzungen sehr. Das ist für mich dann tatsächlich der Ort wo Politik passiert und wo auch alle Parteien konstruktiv an einem Tisch sitzen. Generell würde ich dies auch nicht abhängig machen von der Parteifarbe des jeweiligen Politikers. Man kann sich von vielen etwas abschauen. Das klassische Vorbild habe ich jetzt in diesem Sinne nicht. Man muss in der Politik irgendwo auch seinen eigenen Weg gehen und kann sich aber von anderen ein bisschen etwas abschauen. Immer nur in Fußstapfen zu treten ist auch nicht das Wahre. Man muss schon seinen eigenen Weg finden, der auch zu einem passt.

Wir bedanken uns bei Claudia Plakolm für das Gespräch.

 

Konstantin Ghazaryan
Neben seiner Mitwirkung an der Interviewführung und -ausarbeitung, verfasst der Political Science MA-Student vor allem Analysen und Kommentare für die Bereiche der internationalen und europäischen Politik. Die Bereiche Sicherheitspolitik, Allianzen und Diplomatie gehören zu seinen Schwerpunkten.

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